Umstellung auf Barhuf
Für ein erfolgreiches Umstellen auf das Laufen ohne Eisen und damit das Pferd mit der Zeit auf allen Böden geritten oder gefahren werden kann, müssen ein bestimmtes Wissen und besondere Bedingungen vorhanden sein.
Die Pferde müssen sich nicht nur an andere Bewegungsabläufe gewöhnen, sondern auch noch mit der Umformung der Hufkapsel, der Zehengelenke und der Gelenkbänder fertig werden.
Wenn ein Pferd nach Abnahme der Eisen schlecht läuft, hat das nichts damit zu tun, dass sich das Pferd das ganze Hufhorn abgelaufen hat. Die bei uns übliche Beschäftigung mit dem Pferd von wenigen Stunden pro Tag birgt nicht die Gefahr von zuviel Abnutzung in sich.
Die Ursache für die Schwierigkeiten nach Abnahme der Hufeisen ist in einer verformten Hufkapsel zu suchen, also einem Huf, der von der natürlichen, gesunden Form abweicht.
Wie stark ein vormals beschlagener Huf deformiert ist, hängt von mehreren Faktoren ab: wie lange ein Pferd beschlagen war, auf welche Art es beschlagen war und wie lange die Intervalle zwischen den Beschlägen waren, wie es genutzt wurde und ob es als junges Pferd vor dem ersten Beschlag gesunde Hufe und eine korrekte Huf- und Gliedmaßenstellung hatte usw.
Das beschlagene Pferd spürt die Schädigung im Hufinnern nicht, da die Nerventätigkeit als Folge der schlechten Durchblutung unterbunden ist.
Ein unbeschlagenes Pferd mit kranken Hufen spürt Entzündungs- und Druckschmerzen meist deutlich und geht dann besonders auf steinigem Boden klamm oder es lahmt sogar.
Achtung: Ein kranker Huf wird nicht von alleine gesund, nur weil die Eisen abgenommen wurden! Dies wäre zu einfach.
Auch Hufschuhe sind nach der Abnahme im Falle von Lahmen nicht die Lösung. Sie können nur als kurzfristige Lösung in der ersten Zeit dienen, um in einem schweren Fall das Gehen zu erleichtern.
Was ist zu tun?
Hufbehandlung
Sofort nach Abnahme der Eisen müssen diese Hufe über einen längeren Zeitraum, etwa ein Vierteljahr, mindestens wöchentlich immer wieder fachgerecht ausgeschnitten werden, damit sich die Hufkapsel und mit ihr die Zehenknochen in Richtung auf einen gesunden, funktionstüchtigen Huf umformen können. Die Umformung, die immer mit entzündlichen Vorgängen und Schmerzen verbunden ist, kann Wochen und Monate dauern, bei besonders stark verkrüppelten Hufen auch ein Jahr und länger - in solchen Fällen ist eine stationäre Behandlung für die ersten Monate zu empfehlen.
Rücksicht
Umstellung auf das Barfußlaufen bedeutet eine Durststrecke für den Reiter, der in dieser Zeit Rücksicht auf das Pferd nehmen muß. Es ist unrealistisch zu verlangen, daß ein Pferd in der Zeit der Umstellung die gleiche Leistung erbringen muß, wie vorher mit Beschlag. Wer zu alledem nicht bereit ist, kann eine erfolgreiche Umstellung nicht erwarten.
Lebensbedingungen
Ein Erfolg ist außerdem nur dann zu erwarten, wenn gleichzeitig die Lebensbedingungen des Pferdes optimal sind: Bewegung rund um die Uhr im Offenstall, also wahlweise Aufenthalt im Freien oder unter Dach, ist für das Lauftier Pferd Bedingung und Voraussetzung für eine Heilung.
Übrigens: Auch unbeschlagene Hufe können bei Bewegungsmangel, einseitigem Untergrund, Austrocknung und falscher Bearbeitung erheblich von der gesunden , funktionstüchtigen Form abweichen und Probleme bereiten.
