Hufbehandlung
Pferde unter menschlicher Obhut leben unter Haltungsbedingungen, die ihre Bewegungsbedürf- nisse einschränken.
Bezüglich Hufe bedeutet dies ein Ungleichgewicht von Hornwachstum und Abrieb (zu wenig Abrieb) und oft zwangsläufig Hufprobleme (verschiedenste Formen von Zwängen, Schiefstand, Stellungsfehler, Lose Wand, ...). Hier muss korrigierend eingegriffen werden.
Die Notwendigkeit des "Kürzens" steht der oft geäußerten Meinung entgegen, Barhufe würden sich bei der üblichen Belastung zu schnell ablaufen. Diese Äußerungen sind nicht richtig und beruhen auf mangeldem Wissen und auf Mißverständnissen. (Richtig ist, daß bei Beschlags- pferden sowie Boxenhaltung und bei einem unsachgemäßen Umstellungsversuch die Faktoren der Hufdeformation wirken - d.h. kaum Hufmechanismus, kaum Wachstum, ...)
Die Barhufpflege (die korrektere Bezeichnung ist Hufheilpraktik) nach Dr. Strasser ist ein ganzheitlicher, heilpraktischer Ansatz. Dieser Ansatz hat eine vollkommen andere Basis als die handwerkliche Hufbeschlagskunst, oder auch andere "Barhufschulen" in Deutschland.
Die Methodik und Praxis bezieht sich auf alte und neuere Erkenntnisse über den natürlich abgenutzten und geformten Huf (wie er bei Wildpferden zu beobachten ist) und den Konstruktionsprinzipien aufgrund der Physik und Physiologie am Huf und Bein. Ausschließlich der Barhuf ist Gegenstand der Pflege und Behandlung.
Die Methode ist wissenschaftlich fundiert und es setzen sich seit einigen Jahren international Forschungseinrichtungen mit diesem neuen Ansatz auseinander. Auch wird der Strasser-Ansatz international gelehrt ("Strasser hoofcare", oft wird auch der Begriff "natural hoofcare" benutzt).
Barhufpflege/Hufheilpraktik ist nicht nur eine Behandlungsmethode, sondern bezieht ganzheitlich die Haltungsbedingungen mit ein. Die theoretischen Arbeiten von Frau Dr. Strasser legen die Zusammenhänge von Hufgesundheit, dem Gesamtorganismus und den Haltungsbedingungen im Detail dar.
Folgerichtig beschränkt sich die Behandlungspraxis nicht nur auf die Hufe, sondern schließt den kompletten "Lifestyle" des Pferdes mit ein. Durch die gleichzeitige Änderung/Schaffung von Haltungsbedingungen, die den physiologischen Bedürfnissen gerecht wird, profitieren nicht nur die Hufe mit einem optimalen Hufmechanismus, guter Hornqualität usw., auch das gesamte Immunsystem sowie systemische und metabolische Probleme wie Allergien u.a. können sich dabei wesentlich verbessern.
- Natürliche Lebensbedingungen: Leben im Offenstall/Gruppenhaltungssystem mit zu jeder Zeit freien Bewegungsmöglichkeit, gemeinsam mit anderen Pferden, auf unterschiedlichen, zumeist harten Böden. Die Hufe werden täglich gewässert (min 10 - 15 Min.). Pferde werden nicht mit unnatürlichen Mitteln wie Decken, Bandagen, Huffett, etc. geschützt, sondern gerade den Klimabedingungen ausgesetzt.
- Bewegung: Pferde sollten sich so viel wie möglich bewegen können. Anzustreben ist min. die natürlich angemessene Bewegungsmenge von ca. 15 km/Tag auf geeigneten Böden (harthufige Pferde wie Araber, Quarter,.. brauchen harten Boden).
Auch bei Lahmheits-/Hufproblemen muss das Pferd entsprechend der Situation eine bestimmte Bewegungsmenge haben, um den Heilungsvorgang zu unterstützen.
- Korrekte physiologische Hufbearbeitung: Der ausgebildete Hufheilpraktiker wird versuchen, die korrekte, natürliche Hufform nach Hufsituation und Behandlungsplan zu erreichen. Wichtig und oberstes Ziel ist der Hufmechanismus und die Lage des Hufbeines parallel zum Boden als Schlüssel zur Hufgesundheit.
Auch wenn der äußere Eindruck entsteht, die Behandlung in Form des Schneidens, Raspelns, etc. unterscheide sich nicht vom üblichen Barhufschneiden, das Vorgehen unterscheidet sich radikal von dem, was üblich und heutzutage als normal gilt. Die Betonung einer naturgerechten Hufform, der Wichtigkeit eines korrekten Hufmechanismus und der Zusammenhang von weiteren Faktoren beruht auf ein vollkommen anderes Verständnis.
Um zu einem tiefen Verständnis zu gelangen, bedarf es eines intensiven Studiums, am besten in Form der Ausbildung am Institut für Hufgesundheit. Um die Grundlagen zu verstehen, empfiehlt sich die Lektüre von Frau Dr. Strasser oder der Besuch des Hufseminars "Partner Pferd".
